Vegetarische Ernährung in der Schwangerschaft

Die Weichen für ein gesundes Leben werden bereits in der Schwangerschaft gestellt. Eine ausgewogene und vollwertige vegetarische Ernährung in der Schwangerschaft tut deswegen Mutter und Kind gut.

Für eine vegetarische Ernährung sprechen zahlreiche Gründe, auch in einer Schwangerschaft. Als Hauptmotiv werden meist ethische Gründe – also die Vermeidung von Tierleid – angeführt. Doch auch ökologische und soziale Aspekte sowie gesundheitliche Vorteile können zu dem Entschluss, sich hauptsächlich pflanzlich zu ernähren, führen. Für Letzteres sprechen zunehmend wissenschaftliche Erkenntnisse, laut denen eine pflanzenbasierte Kost das Risiko für ernährungsmitbedingte Erkrankungen senken kann.

Vegetarisch lebende Eltern und solche, die es werden wollen, möchten auch ihre Kinder vegetarisch ernähren – und zwar von Anfang an. Wie genau dies aussehen sollte, darüber herrscht gerade in der Allgemeinbevölkerung noch viel Unwissenheit. Dabei sind sich verschiedene Ernährungsfachgesellschaften einig, dass eine vollwertige, vegetarische Ernährung auch für Schwangere, Stillende und Kinder geeignet ist – vorausgesetzt, sie wird sorgfältig geplant (wie letztendlich bei jeder anderen Ernährungsform auch).

Studienlage zu vegetarischer Ernährung in der Schwangerschaft

Immer mehr Frauen führen ihre vegetarische Lebensweise auch in der Schwangerschaft fort. Bisher gibt es jedoch kaum Studien zu diesem Thema, sodass Forschungsbedarf besteht. Grund zur Besorgnis liefern die vorliegenden Studien jedoch nicht, wenn die Ernährung sorgfältig geplant wird.

Wissenschaftler der Universität von Torino kamen in einer Übersichtsarbeit u.a. zu dem Schluss, dass eine vegetarische Ernährung während der Schwangerschaft sicher sein kann, wenn die Nährstoffversorgung beobachtet wird. Auch zahlreiche Ernährungsfachgesellschaften kommen zu diesem Schluss, darunter die British Dietetic Association, das National Health and Medical Research Council der australischen Regierung und die Canadian Paediatric Society. Beispielhaft sei hier die amerikanische Academy of Nutrition and Dietetics zitiert, die 2016 in einem Positionspapier schrieb, „[…] dass angemessen geplante vegetarische, inklusive der veganen, Ernährungsweisen gesund und ernährungstechnisch angemessen sind sowie gesundheitliche Vorteile für die Prävention und Behandlung bestimmter Krankheiten bieten können. Diese Ernährungsweisen sind für alle Phasen des Lebenszyklus geeignet, einschließlich Schwangerschaft, Stillzeit, frühe und spätere Kindheit, Adoleszenz, ältere Menschen und für Sportler“.

Selbst die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät nicht mehr von einer vegetarischen Ernährung in der Schwangerschaft ab. 2016 veröffentlichte sie ein Positionspapier mit Informationen zu einer gezielten Lebensmittelauswahl bei vegetarischer Ernährung.

Letztendlich zeigt auch eine wachsende Anzahl von Erfahrungsberichten, dass eine vegetarische Ernährung in der Schwangerschaft gut gelingen kann. Die Frage, die sich also stellt, ist, wie eine vegetarische Ernährung in dieser Zeit aufgebaut sein sollte.

In der Schwangerschaft gut versorgt

Während einer Schwangerschaft muss der Körper Bemerkenswertes vollbringen. Er muss zwei Organismen versorgen, von denen sich einer im Aufbaustoffwechsel befindet. Somit ist klar, dass für Schwangere andere Ernährungsempfehlungen gelten.

Für das Wachstum des Kindes, der Plazenta und des mütterlichen Gewebes sowie zum Ausgleich des erhöhten Energiebedarfs durch das höhere Gewicht benötigen Schwangere mehr Nahrungsenergie. Da der Mehrbedarf verhältnismäßig gering ist, der Bedarf an Mikronährstoffen z. T. aber stark erhöht, gilt während der Schwangerschaft „Qualität plus etwas Quantität“ bei der Lebensmittelauswahl. Der früher geläufige Ratschlag „Essen für zwei“ gilt nur für bestimmte Mikronährstoffe.

Für die Hauptnährstoffe Kohlenhydrate und Fette besteht nur ein geringer Unterschied zu den regulären Empfehlungen. Auch für Eiweiß ist die Zufuhrempfehlung erst ab dem 4. Schwangerschaftsmonat nur um rund 20% erhöht.

Anders verhält es sich bei den Mikronährstoffen. Hier besteht ein teils stark erhöhter Bedarf, insbesondere bei den Vitaminen A, B2, B6 und B12 sowie Folat (Folsäure), den Mineralstoffen Magnesium, Eisen, Jod und Zink sowie den Omega-3-Fettsäuren. Zudem können Vitamin C und Kalzium kritisch werden, auch wenn die Zufuhrempfehlung kaum bzw. wenig erhöht ist.

Gut beraten während der Schwangerschaft

Grundsätzlich ist eine vegetarische Ernährung in allen Lebensphasen durchführbar und kann sogar gesundheitliche Vorteile bieten. Gerade werdende Eltern und das heranwachsende Kind profitieren von einer Beratung bei einer Ernährungsfachkraft und der regelmäßigen Überprüfung der Nährstoffversorgung. Dies gibt Sicherheit bei der Planung einer vegetarischer Ernährung und liefert nötiges Ernährungswissen

Als Einstieg ins Thema eignet sich auch entsprechende Fachlektüre. Eine Auswahl an Büchern sowie die Quellen zu diesem Text finden Sie am Ende dieses Beitrags.

Nährstoffzufuhr bei vegetarischer Ernährung

Bei einer vegetarischen Ernährung besteht wie bei jeder Ernährungsform die Möglichkeit, dass die tatsächliche Zufuhr eines Nährstoffes unter den Zufuhrempfehlungen liegt, d. h., die Wahrscheinlichkeit eines Nährstoffmangels erhöht ist. Man spricht in solchen Fällen von sogenannten kritischen Nährstoffen.

Mit einer gezielten Lebensmittelauswahl sowie in einzelnen Fällen durch ein Nährstoffpräparat (Vitamin B12 und z. T. Vitamin D) kann eine adäquate Versorgung sichergestellt und einem Mangel vorgebeugt werden. Bei einer veganen Ernährung gelten Kalzium, Eisen, Jod, Zink, die Vitamine B12, B2 und D sowie eine adäquate Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren als solche „kritischen Nährstoffe“ (einige davon sind auch in der Allgemeinbevölkerung oder Teilen davon kritisch).

Vegetarier setzen aber viele Ernährungsempfehlungen besser um. Gerade die Zufuhrempfehlungen für Kohlenhydrate, Eiweiß und Fette werden mit einer vegetarischen Ernährung eher erreicht. Zudem sind Vegetarier im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung oder Teilen davon oft genauso gut – wenn nicht sogar besser – mit Vitamin C, Vitamin E, Vitamin B1, Folat, Biotin, Pantothensäure, ß-Carotin (Vorstufe zu Vitamin A), Magnesium, sekundären Pflanzeninhaltsstoffen und Ballaststoffen versorgt. Manche dieser Nährstoffe sind in der Allgemeinbevölkerung sogar kritisch.

Vorteile einer vegetarischen Ernährung in der Schwangerschaft

Die sorgfältige Planung einer vegetarischen Ernährung während der Schwangerschaft und potenziell kritische Nährstoffe stehen oft im Vordergrund der Diskussion. Die Ernährungsform und die bessere Versorgung mit einzelnen Nährstoffen können aber auch Vorteile mit sich bringen, z. B. einen stabilen Blutzuckerspiegel, eine bessere Zahngesundheit, Vermeidung von Sodbrennen oder Verstopfung. Die Nahrung weist oft ein besseres Fettsäuremuster auf und enthält weniger Zucker. Zudem sind Vegetarierinnen, wie bereits gesagt, mit manchen in der Schwangerschaft bedeutenden Nährstoffen besser versorgt.